Am zweiten Wochenende nach Ostern sieht man sie wieder durch die Strassen der Inselhauptstadt Funchal laufen – die Blumenkinder. Sie sind Teilnehmer des berühmten Blumenkorsos, der jährlich tausende von Schaulustigen anzieht. Doch nicht nur deswegen sollte man nach Madeira reisen, sondern auch wegen vieler weiterer Attraktionen.

Auf der Insel des ewigen Frühlings lässt es sich herrlich wandern, geniessen und entdecken. Man sagt der Insel auch heilende Kräfte nach; das Klima ist äusserst gesund und soll sogar Lungenleiden heilen. Doch ob die österreichische Kaiserin Elisabeth nur deswegen nach Madeira reiste, bleibe dahingestellt. Jedenfalls war Sissi, wie sie im Volksmund liebevoll genannt wird, fasziniert von der Schönheit dieser Insel. So fasziniert, dass sie zwei Jahrzehnte später ein zweites Mal die beschwerliche Schiffsreise auf sich nahm um die Blumeninsel zu besuche. Heute ist die Anreise nicht mehr so mühsam wie im 18. Jahrhundert, ab der Schweiz werden tägliche Flugverbindungen angeboten.

São Vicente an der Norküste der Insel

Die Geburtsstunde Madeiras

1315 wurde die Inselgruppe erstmals auf einer Karte vermerkt. Die Portugiesen nahmen den Archipel vor der Küste Marokkos 1420 in Besitz und begannen mit der Besiedlung. Der Inselname Madeira bedeutet „Holz“, was darauf zurückzuführen ist, dass die Insel damals stark bewaldet war. Indes, die Wälder wurden gerodet und machten dem Zuckerrohr Platz, mit dem man viel Geld verdiente. Der portugiesische König Manuel I. verlieh im Jahr 1508 dem Stadtwappen von Funchal fünf Zuckerhüte, um auf den Reichtum aufmerksam zu machen. Leider wurde die Konkurrenz im Zuckerhandel immer grösser, so dass man nur ein paar Jahrzehnte später auf Weinbau umstellte.

Edle Tropfen aus Madeira

Neben dem Tourismus ist der Weinbau heute denn auch die wichtigste Einnahmequelle der Insel. Schon Heinrich der Seefahrer sorgte dafür, dass im 15. Jahrhundert die weisse Malvasia-Rebe aus Kreta angebaut wurde. Sie lieferte einen feurigen Südwein. Es folgten weitere Rebsorten und der Weinhandel wurde immer lukrativer. Der Madeira-Wein, wie man in heute kennt, wurde aber nur zufällig „entdeckt“. Seefahrer segelten auf einem mit Weinfässern beladenen Schiff über den Atlantik. Durch den hohen Seegang wurde der Wein durchgeschüttelt, dann durch die tropische Hitze am Äquator erwärmt und anschliessend wieder abgekühlt. Die Seeleute bemerkten eine Veränderung im Geschmack des sonst eher sauren Tischweines. Und findige Weinbauern versuchten in der Folge den Prozess an Land künstlich nachzuahmen. Ein paar Jahrhunderte später waren es aber die Engländer, die den Inselwein ihrem Geschmack anpassten und so den uns bekannten Madeira-Wein erschufen. Zu verkosten und zu kaufen ist der edle Tropfen heute in verschiedenen Weinkellereien in Funchal und Câmara de Lobos.

Alter Madeira Wein

Blumen wohin das Auge reicht

Dennoch reist die Mehrheit der Touristen nicht wegen des Weins auf die Atlantik-Insel, sondern wegen der dortigen Fauna. Madeiras Nationalblume, die Strelitzie, wurde – wie die meisten exotischen Blumen – erst heimisch, als sie durch Siedler auf die Insel gebracht wurde. Die ersten Entdecker stiessen auf wilden Fenchel, den Schopf-Fingerhut sowie den Madeira-Storchschnabel. Die aktuelle Blütenvielfalt verdankt die Insel nicht zuletzt der im 15. Jahrhundert „importierten“ englischen Leidenschaft fürs Gärtnern.

Heute säumen Hortensien den Strassenrand, sie dienen als Schutzzaun für Gärten und begeistern in Blumentöpfen Einheimische und Besucher gleichermassen. Besonders schön anzusehen sind die Afrikanischen Liebesblumen, deren lila oder weisse Blüten wie Kugeln auf langen Stielen balancieren. Wild blühend am Wegesrand finden sich Callas, Hibiskus und Strelitzien, Weihnachtssterne so gross wie Apfelbäume und die aus Brasilien importierten Jacaranda-Bäume, die im April und Mai ganze Strassenzüge lila einfärben. In und um die Hauptstadt Funchal gibt es mehrere wunderschöne Gartenanlagen, die man besichtigen sollte; der Botanische Garten gehört sicher dazu – nicht nur der Pflanzen wegen:  Die Aussicht über Funchal und die Bucht ist herrlich.

Wasser auf Bestellung

Wild blühende Blumen, Pflanzen und Bäume sieht man sich am besten während einer Wanderung an, dem Volksport Nummer 1 auf der Insel. Besonders abwechslungsreich sind Wanderungen entlang der Levadas (Wasserkanäle), die überall auf der Insel anzutreffen sind. Levadas führen Quellwasser auf Felder und Plantagen, trieben früher Wassermühlen an und dienen der Stromerzeugung durch Wasserkraft. Sie wurden im 19. Jahrhundert von Hand und zuweilen sogar unter Lebensgefahr in die Felsen gehauen, damit man so das Tauwasser vom Norden der Insel in den trockeneren Süden leiten konnte. Noch heute nutzen die Bauern diese Bewässerungsart für ihre Felder. Der „Levadeiro“ öffnet zum gebuchten Zeitraum Schleusen und schliesst sie wieder, wenn die bezahlte Menge Wasser durchgeflossen ist. Die Routen entlang dieser Bewässerungskanäle sind abwechslungsreich, und einige Levadas gleichen eher einem Spaziergang als einer Wanderung. Oftmals führen die Kanäle auch durch alte Tunnel, an steilen Berghängen vorbei und in manchen tummeln sich sogar Forellen. Etwas mehr Sportlichkeit setzt die Wanderung auf Madeiras höchsten Berg, den Pico Ruivo (1861 m), voraus. Die Aussicht entschädigt jedoch jede Mühe.

Aussicht vom Pico Ruivo

Tropeninsel Europas

Bedingt durch das ganzjährig milde Klima ist Madeira immer eine Reise wert. Im Winterhalbjahr liegen die Temperaturen an der Südküste tagsüber bei mindestens 18 °C , nachts sinken sie selten unter 13 °C. Im Hochsommer steigen die Tageshöchstwerte praktisch nie über 28 °C. In den Bergen und an der Nordküste ist es meist ein paar Grad kühler. Durch die hohen, steilen Berge und die tiefen Täler kann man auf Madeira eigentlich vier Jahreszeiten an einem Tag erleben. Bedingt durch dieses Mikroklima erklärt sich auch die tropische Vegetation der Insel. Entlang der Südküste überwiegen Bananenplantagen und Gärten voller Papayas, Guaven, Mangos und Maracujas. Die Madeira-Banane ist kleiner als die Banane, die wir aus dem Supermarkt kennen. Sie ist auch geschmacksintensiver, was sich besonders bei der getrockneten Variante „Banana Passa“, die man im Supermarkt oder in Souvenirgeschäften erwerben kann, zeigt. Gerne wird sie auch als Beilage zum „Espada“, dem in den Gewässern um Madeira heimischen Degenfisch, serviert.

Sonnige Aussichten

Wer genug hat von der ewigen Blütenpracht und keine Lust mehr verspürt, die Wanderschuhe zu schnüren, reist auf die Schwesterinsel Porto Santo. Man erreicht das Eiland per Fähre in zweieinhalb Stunden. Ein neun Kilometer langer, gelber, feinsandiger Strand erwartet die Sonnenanbeter. Während früher „nur“ die Bewohner des Archipels ihre Sommerferien auf Porto Santo verbrachten, entdecken immer mehr Europäer die sonnenverwöhnte Insel vor Madeira. Porto Santos Strand wird therapeutische Wirkung nachgesagt, er soll angeblich Rheumaleiden lindern. Die Insel bietet eine gute Auswahl an Hotels mit Wellness- und Sportangeboten. Wer mehr Zeit auf Madeira verbringen, aber nicht aufs Baden verzichten möchte, findet in Calheta und Machico zwei Sandstrände. Über die ganze Insel verteilt gibt es Bademöglichkeiten in natürlichen Schwimmbecken aus Lavastein. Sie bieten eine natürliche Schutzmauer, die stetig das frische Atlantikwasser durchlässt. In diesen „Piscinas naturais“ lässt es sich herrlich im baden ohne dabei den Strömungen und Wellen des Atlantiks ausgesetzt zu sein.

Jeder Tag ein Fest

Madeira bietet noch viel mehr als Natur pur. Immer mehr junge Menschen zieht es auf die Insel; nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische kehren wieder zurück. Die Perspektiven sind gut und im Tourismus wie auch in der Gastronomie gibt es Arbeit. So kann Madeira das Image einer „Alte-Leute-Insel“ getrost abstreifen. Die Inselhauptstadt Funchal hat sich in den letzten Jahren zu einer regelrechten Trenddestination gemausert. Schicke Restaurants, hippe Bars und Nachtklubs sowie moderne Shoppingzentren fügen sich optimal in die von Pflastersteinen dominierte Innenstadt ein. Moderne Bauten und antikes Mauerwerk stehen im Einklang, und Harmonie herrscht auch zwischen älteren und jüngeren Bewohnern, was sich vor allem an den vielen Festen und anderen Veranstaltungen manifestiert.

Für Touristen ist das alljährliche Blumenfest in Funchal ein eigentlicher Höhepunkt. Es findet immer am zweiten Wochenende nach Ostern statt und lockt tausende Schaulustige an. Highlight ist der grosse Umzug am Sonntag. Zahlreiche aufwändig geschmückte Tänzerinnen und Tänzer sowie blumendekorierte Wagen füllen dann die Innenstadt. Nicht weniger spektakulär ist der Karneval, er erinnert mit seinen bunten Kostümen und Sambatänzerinnen an das berühmte Pendant in Rio de Janeiro.

Festlich gekleidet und geschmückt: Blumenkinder

Fleisch oder Fisch?

Auf Madeira isst man gut und viel – besonders an Festen. Ein Nationalgericht nennt sich „Espetada“, ein Rindfleischspiess. Dazu grosse Fleischstücke auf einen Spiess aus Lorbeerholz geschoben, mit Knoblauch, Salz und Lorbeer gewürzt und dann über dem offenen Feuer grilliert. Egal ob an Geburtstagen, Hochzeiten oder sonntags: Der Espetada-Spiess ist die Leibspeise der Einheimischen. Dazu serviert man gerne „Bolo do Caco“, eine Art Knoblauchbrot sowie „Milho Frito“, gebratene Polenta. Mittlerweile kann man auch als Tourist in vielen Restaurants der Insel diese Spezialitäten kosten. Wer lieber etwas aus dem Atlantik möchte, sollte eine weitere Nationalspeise, den „Espada“-Fisch probieren. Der schwarze Degenfisch kommt nur im Atlantik vor Madeira und Japan in Tiefen von bis zu 1700 Metern vor und wird bis zu 1,5 Meter lang. Serviert wird er typischerweise filetiert und im Teig ausgebacken. Dazu gibt es gebratene Madeira-Bananen und eine Sauce aus Passionsfrüchten.

Medizin der Fischer

Wer gut isst, sollte auch gut trinken. Abgesehen vom Madeira-Wein gibt es eine weitere Inselspezialität – den Poncha. Als die Fischer von Câmara de Lobos früher auf den rauen Atlantik fuhren, war es oftmals bitterkalt und sie wärmten sich mit Zuckerrohrschnaps. Dass zu viel Alkohol beim Fischen aber nicht immer hilfreich war, bemerkten sie schnell. Also „streckten“ sie den Schnaps mit Zitronen- und Orangensaft. Um Erkältungen vorzubeugen mischte man noch etwas Honig dazu. Et voilà: Der Poncha war erfunden. Heute ist das Getränk fester Bestandteil geselliger Anlässe und nicht mehr aus dem Alltag der Inselbewohner wegzudenken. Trendige Bars und Restaurants haben das Potenzial dieses Cocktails erkannt und bieten ihn heute in verschiedensten Variante an. Statt traditionell mit Zitronen- und Orangensaft zum Beispiel mit Passionsfrucht-, Kiwi- oder Erdbeersaft gemixt.

Ungebrochene Faszination

Fruchtige Getränke, gutes Essen, wundervolle Bergwelten und gastfreundliche Bewohner: Das ist Madeira. Seit mehreren Jahrhunderten reisen Touristen bereits auf die Insel des ewigen Frühlings. Die Auswahl an Unterkünften ist gross; vom 5-Sterne-Deluxe-Hotel bis zur Ferienwohnung wird für jedes Budget etwas angeboten. Wer eine traditionelle Unterkunft sucht, der wohnt in Quintas. Diese Landgüter umfassen oftmals ein historisches Herrenhaus, das von einem grosszügigen Garten umgeben ist.

Wer einmal auf die Blumeninsel gereist ist, wird es früher oder später wieder tun. Madeira ist faszinierend, vielfältig und begeistert mit landschaftlicher Schönheit und freundlichen Gastgebern.

Küstenabschnitt in Santana

———————– Gut zu wissen ———————–

Inselhauptstadt: Funchal

Währung: Euro

Religion: 95% Katholiken, 5% gemischte Religionen

Bevölkerung: 254’000 Einwohner

Einreise: Gültige Identitätskarte oder Reisepass erforderlich

Impfungen: keine vorgeschrieben

Flugverbindungen: Mehrmals wöchentlich Direktflüge von Zürich nach Funchal; mehrmals täglich Flüge via Lissabon oder Porto nach Funchal.

Beste Reisezeit: ganzjährig, da auf Madeira ein mildes Mikroklima herrscht.

Madeira-Spezialist: Eine grosse Auswahl an Unterkünften, Mietwagenrundreisen, Ausflügen usw. bietet der in Zürich beheimatete Spezialist: Amin Travel GmbH, Hopfenstrasse 20, 8045 Zürich, Telefon 044 492 42 66, info@amin-travel.ch

www.amin-travel.ch

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