Elegant nutzt der Seeadler die Thermik an den Sandstränden. Hoch über Estland überblickt der König der Lüfte ein ursprüngliches Terrain mit über 3700 Kilometern Küstenlinie. Doch auch ohne scharfe Adleraugen erkennt man rasch: Diese wilden Dünen und Strände ziehen nicht nur sommerliche Badegäste an, sondern sind auch Lebensraum einer faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt. Das gilt insbesondere für den Westen des Landes, wo mehrere Nationalparks samt passenden Unterkünften bereitstehen.

Wo der Wachtelkönig singt

Das Naturabenteuer beginnt im Nationalpark Matsalu, dem grössten Rast- und Nistplatz für Zugvögel im gesamten Ostseeraum. In den ausgedehnten Feuchtgebieten sind über 250 Vogelarten von der Grasmücke bis zum Wachtelkönig heimisch, und auch Elche und Rehe schätzen die gewaltigen Auwiesen der Region. Die beste Sicht haben Hobby-OrnithologInnen und Ruhesuchende auf Beobachtungstürmen wie jenem in der Mündung des Kasari-Flusses, während aktive Gäste auf Bootsausflügen oder Kanufahrten die Kamera zücken.

Im Reich der Robben

Noch westlicher sorgt die grösste Insel Estlands ebenfalls für natürliche Freiräume: Auf Saaremaa liegt der Vilsandi-Nationalpark, in dem sich Zugvögel wie Scheckenten und Kanadagänse nicht weniger wohlfühlen als in Matsalu. Im Sommer lohnt sich der Inselbesuch aber auch wegen der Kegelrobben, die dort entweder an den Stränden oder im Meer zu beobachten sind. Um sich einen Überblick zu verschaffen, empfehlen sich übrigens die 160 Stufen des Vilsandi-Leuchtturms.

Oase auf Saaremaa: die «Pilguse Residency». © Pilguse Residency

Wandern am Wasser

So viel Übersicht weckt die Unternehmungslust. Da trifft es sich gut, verfügt der Nationalpark Vilsandi auch über spannende Wanderwege. So sind HikerInnen hier beispielsweise auf einem acht Kilometer langen Lehrpfad unterwegs. Dieser führt am Südufer entlang bis zum Leuchtturm, während der Rückweg bewaldetes Terrain erschliesst. Noch näher am Festland sind Wandernde derweil auf der Insel Vormsi unterwegs. Hier erstreckt sich der 6,7 Kilometer lange Rumpo-Wanderweg, der im gleichnamigen Dorf beginnt. Anschliessend treffen aktive BesucherInnen auf Aussichtsplattformen mit Blick auf die Buchten von Hullo und Sviby sowie auf vorgelagerte Inselchen, die vielen Wasservögeln als Nist- und Rastplätze dienen.

Ein Bett auf der Insel

Vom Überblick zur Unterkunft: Die westlichen Inseln punkten mit Hotels, die das Naturspektakel perfekt erschliessen. Dazu gehört auf Saaremaa die «Pilguse Residency» – das Herrenhaus von 1558 präsentiert sich heute als nachhaltiger Boutique-Betrieb inmitten der Seen- und Küstenlandschaft. Auf der nördlichen Nachbarinsel Hiiumaa finden Gäste derweil mit dem «Eha»-Wellness-Retreat einen ebenso naturnahen Rückzugsort: Er liegt im UNESCO-Biosphärenreservat und bietet Zugang zu uralten Wäldern.

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