Nicht ohne Grund gilt San Francisco als eine der schönsten Städte der Welt. Mit rund 800’000 EinwohnerInnen bleibt die Metropole, zumindest nach amerikanischen Massstäben, angenehm überschaubar. Auf vergleichsweise kleinem Raum vereint die City viktorianische Häuserzeilen und moderne Glastürme, bunte Quartiere, kilometerlange Pazifikstrände und viel Grün. Gleichzeitig prägt die Nähe zum Silicon Valley eine zweite Identität – jene des globalen Technologiezentrums, die den Alltag der Menschen hier seit Jahren mitprägt. Seit dem Goldrausch von 1849 ist San Francisco ein Sehnsuchtsort für Glücksritter, Visionäre und freiheitsliebende Lebenskünstler. In den 1950er-Jahren wurde das Viertel Haight-Ashbury zum Zentrum der Beat-Generation, später zum Epizentrum des legendären «Summer of Love» und der Bürgerrechtsbewegungen. Über Generationen entwickelte sich eine Gesellschaftskultur, die mit ihrem Pioniergeist, ihrer Offenheit und Toleranz bis heute Massstäbe setzt.

Durch Multikulti-Quartiere

Und doch lebt San Francisco nicht nur von seiner Vergangenheit. Downtown ragen futuristische Bürogebäude internationaler Tech-Konzerne in den Himmel. Nur wenige Strassenzüge weiter buhlen alternative Buchläden, queere Cafés und kleine Museen um die Gunst der Gäste aus aller Welt. Gerade diese Gegensätze machen den Reiz aus. Wer San Francisco verstehen will, sollte die Quartiere erkunden – zum Beispiel Chinatown, die älteste und wohl authentischste chinesische Enklave der USA.

Im Cable Car mitten durch Chinatown. © sftravel.com

Eine Route der historischen «Cable Cars» führt direkt in das Gewusel mit überquellenden Schnickschnack-Läden, Dim-Sum-Restaurants und kleinen Tempelanlagen. Bei den weltberühmten «Painted Ladies», einer viktorianischen Häuserreihe auf den Hügeln nahe Haight-Ashbury, lohnt sich eine Selfie- Pause mit Blick auf die Skyline. Im Castro-Viertel, das seit Jahrzehnten für Diversität und gesellschaftliche Toleranz steht, finden sich zahlreiche Originalschauplätze zur Entstehungsgeschichte der LGBTQ+-Bewegung. Der Mission District gilt als kreatives Trendquartier mit farbenfroher Streetart und vielen Adressen für authentische Latino-Küche.

Im Norden lockt Fisherman’s Warf mit Seefood-Restaurants und dem Pier 39, auf dem sich die beliebten Seelöwen räkeln. In Mission Bay oder Dogpatch werden frühere Werften, Industriehallen und Lagerhäuser grossflächig umgebaut. Die neuen Quartiere ziehen junge Kreative, Designer, Gastronomen und Kunstgalerien an und gelten als Sinnbild des neuen San Francisco.

«Love Tour» mit Bob

Wer sich für die Ursprünge der Hippiebewegung und des «Sommer of Love» interessiert, steigt am besten in einen bunt bemalten «Love Tour»-VW-Bus. Die Stadtrundfahrten in Original-Retro- Fahrzeugen gehören längst zu den touristischen Kult-Erlebnissen. Die alten Busse sind wichtiger Teil des Tour-Erlebnisses: Flauschige Teppiche, weiche blaue Sitze, verspielte Perlenvorhänge und ein grosses Panoramadach machen die Fahrt zu einer Zeitreise zurück in die Ära von «Love and Peace». Vermutlich keiner verkörpert das entspannte San Francisco besser als der vollbärtige Guide und Fahrer Bob.

Jimi Hendrix wohnte einst im Stadtteil Haight Ashbury. © Jürg Morf

«Alles, was ich will, ist meinen Gästen eine gute Zeit zu schenken», sagt er mit breitem Lachen. Während draussen die berühmten viktorianischen Häuser vorbeiziehen, erzählt Bob Anektoten zu Jimi Hendrix und Janis Joplin, die einst hier wohnten. Heute prägen alternative Boutiquen, bunte Vintage-Läden, Gitarrenshops, kleine Cafés und vegetarische Restaurants das Quartierbild.

Grüne Oasen

Golden Gate, Buena Vista, Presidio und Dolores: Die vier Namen stehen für Parklandschaften, die das Stadtbild nachhaltig prägen. Viele Reisende, die San Francisco zum ersten Mal besuchen, sind überrascht, wie grün sich die Stadt präsentiert. Der «Golden Gate»-Park zieht sich von der Stadtmitte über mehrere Kilometer bis zur Pazifikküste. Er bietet Erholungsräume mit Waldstücken, Seen, Themengärten, Museen, Sportstätten und ein weitverzweigtes Netz an Spazier- und Velowegen.

Grosse Parklandschaften bieten urbane Erlebnisräume. © sftravel.com

Ganz in der Nähe liegt auf einer Anhöhe der «Buena Vista»-Park. Mit seinen alten Eukalyptusbäumen wirkt er wie ein verwunschenes Waldstück im urbanen Raum. Überall öffnen sich Lichtungen mit Foto-Hotspots auf die Stadt. Noch grösser und wilder präsentiert sich der «Presidio of San Francisco»-Park. Das ehemalige Militärgelände an der Zufahrt zur Golden Gate Bridge wurde in eine riesige Naturlandschaft mit Wäldern, Wiesen, Wohngegenden, Kultur- und Sportstätten verwandelt. Es ist heute wohl das grösste und spektakulärste Naherholungsgebiet Kaliforniens. Ein grünes Juwel mitten in der Stadt ist der «Mission Dolores»-Park. Nirgendwo zeigt sich die entspannte Seele deutlicher, nirgendwo geniesst man eine schönere Aussicht auf die moderne Skyline. Hier trifft sich die Bevölkerung zum Picknicken, Spielen, Plaudern und Verweilen.

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