Auf zu den Naturwundern
Kletternd die Staumauer hoch, velofahrend in die Berge oder zu Fuss zu 10‘000 Jahre alten Pyramiden: Um das zu erleben, muss man nicht um die Welt reisen. Fünf besondere Erlebnisse im vielseitigen Walliser Tal.

Kletternd die Staumauer hoch, velofahrend in die Berge oder zu Fuss zu 10‘000 Jahre alten Pyramiden: Um das zu erleben, muss man nicht um die Welt reisen. Fünf besondere Erlebnisse im vielseitigen Walliser Tal.

Die ersten Meter auf wackeligem Untergrund erfordern Überwindung. Mit jedem Schritt wächst aber die Sicherheit, der Griff am Geländer lockert sich. Der Blick darf sich nun von den Füssen lösen und in die Weite schweifen – gefolgt von einem Schwall an Glücksgefühlen. Eine Hängebrücke zu überqueren, ist eine Mutprobe, die sich lohnt. Wer den Nervenkitzel mag, wird auf der Wanderung von Euseigne nach Ossona im Val d’Hérens doppelt belohnt, da gleich zwei Hängebrücken auf dem Weg liegen: Die «Grande Combe» ist 133 Meter lang und 35 Meter hoch, die «Gorges de la Borgne» liegt auf waghalsigen 80 Metern und hat eine Länge von 76 Metern. Die als mittelschwer klassifizierte Rundtour dauert etwa zweieinhalb Stunden und ist 6,6 Kilometer lang. Sie führt durch Wälder, vorbei an den Erdpyramiden von Euseigne, und bietet spektakuläre Weitsicht über die Landschaft.

Über 330 Kilometer markierte Wege, viele fahrradfreundliche Betriebe, die blühende Zentralwalliser Natur und authentische Bergdörfer: Wer südlich von Sion auf zwei Rädern das ursprüngliche Seitental der Rhone erkundet, findet ein überraschend abwechslungsreiches Streckennetz vor. Denn die fünf Taldestinationen Hérémence, Saint-Martin, Evolène, Nax und Thyon haben zusammengespannt und ein neues, einheitliches Mountainbike- Angebot für jeden Schwierigkeitsgrad entwickelt. Gleich mehrere Ortschaften kennenzulernen, fällt mit der zugehörigen «Tour du Val d’Hérens» oder mit der berühmten «Grand Raid»-Rennstrecke nicht schwer. Doch auch die einzelnen Ortschaften haben jeweils ihren ganz eigenen Reiz. So können BikerInnen etwa bei Hérémence die 16 Kilometer lange Strecke hinauf zur Mandelon-Alp unter die Räder nehmen. Auf der Schleife um Saint-Martin lassen sich derweil die typischen Häuser und die grünen Berglandschaften erkunden.

In Euseigne wähnt man sich beinahe in einem Abenteuerfilm: Die Felsformationen wirken zwar wie eine inszenierte Filmkulisse, sind jedoch ohne menschliches Zutun entstanden. Geologische Vorgänge haben die Erdpyramiden hervorgebracht, die scheinbar Hüte tragen. Jedoch handelt es sich um Gesteinsbrocken, die das Wahrzeichen vor Erosion bewahren. Die bis zu 10 000 Jahre alten Pyramiden sind vom nahegelegenen Pfad aus in allen Blickwinkeln zu bestaunen. An der Wiege der Wanderwege, in der Hochebene von Ossona, können Besuchende in kleinen Häuschen übernachten, wo einst Tiere stallten. Ferien auf dem Hof sorgen für eine authentische Auszeit, sei beim es Melken oder Ernten, mit gelegentlichem Blöken der Ziegen als heimelige Hintergrundmusik.

Der Staudamm Grande Dixence trumpft mit beeindruckenden Zahlen auf: Er ist 285 Meter hoch und damit der höchste Gewichtsstaudamm der Welt; 700 Meter lang; 15 Millionen Tonnen schwer und damit schwerer al die Cheops-Pyramide; Und zu guter Letzt: Der Staudamm fasst 400 Millionen Kubikmeter Wasser aus 33 Gletschern. Noch beeindruckender als die nackten Zahlen ist es, beim ikonischen Bauwerk zu stehen und die Massen von Beton und Wasser auf sich wirken zu lassen. Das Innere des Staudamms können Interessierte mit einer Führung erkunden. Diese rund einstündige Tour führt hinter die Kulissen dieses «Giganten» und überrascht mit einer «Sound- und Lichtshow». Die Mauer «erklimmen» können Sportliche unter professioneller Anleitung an der Kletterwand am Grande-Dixence-Staudamm. Wer es gemütlicher mag, kehrt ins Hotel-Restaurant Grande Dixence ein und geniesst die Sicht auf die spektakuläre Alpenlandschaft als «Beilage» zu einem leckeren Menü.

Ist es eine optische Täuschung? Oder eine Reflexion des Himmels? Nein, das Wasser des Lac Bleu von Arolla ist tatsächlich so blau: Die intensive Farbe entsteht durch spezielle Algen im Zusammenspiel mit Gletscherlehm. Das besondere Nass entspringt einer Quelle etwa zehn Meter oberhalb des Sees. Dieser liegt am Ende des Val d’Hérens und ist über zwei Routen erreichbar. Von La Gouille aus dauert der Aufstieg zum See rund 40 Minuten. Wer lieber gemütlich bei geringer Steigung wandert, nimmt den Weg von Arolla aus und ist nach etwa anderthalb Stunden am Ziel. Beide Touren sind ganzjährig begehbar, wobei im Winter Schneeschuhe und Stöcke dringend empfohlen werden. In den warmen Monaten bleibt es nicht nur beim Blau des Sees: Die Wanderung führt an bunten Rhododendronbüschen vorbei und durch grüne oder – später im Jahr – leuchtend gelbe Lärchenwälder.
Wer liebt Schatzsuchen nicht? In Hérémence gibt es ein neues digitales Angebot für die ganze Familie: «Die Abenteuer von Hérémine» führt die Teilnehmenden auf einem Spaziergang an sechs besondere Orte, wo sie Rätsel lösen und Spannendes rund um die Region erfahren. Es braucht dazu nicht mehr als ein Handy, den Zugangscode erhalten Gäste für 15 Franken im Onlineshop oder im Tourismusbüro von Hérémence (kostenlos mit der Hérémence Hostcard).
