Ägypten verbindet jahrtausendealte Kultur mit eindrucksvollen Landschaften und überraschender Vielfalt. Wer hier reist, bewegt sich durch ein Land, das seine Wurzeln bewahrt und gleichzeitig mit einer offenen und warmherzigen Gastfreundschaft empfängt. Die Reise beginnt oft in Kairo, führt dann weiter zum Nil, in die Weiten der westlichen Wüste und endet an den glitzernden Küsten des Roten Meeres.

Kontrastreiches Kairo

Kairo ist die pulsierende Hauptstadt und das kulturelle Herz des Landes. Die Pyramiden von Gizeh zählen zu den bekanntesten Bauwerken der Erde. Die Kombination aus Grösse, technischer Präzision und Alter übt eine Faszination aus, die schwer in Worte zu fassen ist. Die Sphinx wacht seit Jahrtausenden über das Plateau. In unmittelbarer Nähe wartet das «Grand Egyptian Museum»: Das grösste archäologische Museum der Welt wurde am 1. November 2025 eröffnet. Die Altstadt Kairos bietet kontrastreiche Eindrücke – islamische Architektur mit Minaretten und Moscheen, Gassen voller Handwerker und Künstler, Gewürze, Metallarbeiten, Keramik, Stoffe und Parfüms. Daneben ruhige Innenhöfe traditioneller Häuser. Der Khan-El-Khalili-Basar zählt zu den ältesten Märkten des Orients. Händler bieten Kupferwaren, Schmuck, Lampen und Teppiche an. In der Al-Azhar-Moschee, einem Zentrum islamischer Wissenschaft, begegnet man Studierenden aus vielen Ländern. Koptische Kirchen wie die «Hängende Kirche» sind Zeugnisse christlicher Geschichte.

Unvergesslich: Eine Kreuzfahrt auf dem Nil. © Sonesta

Von Luxor nach Assuan

Der Nil ist seit Jahrtausenden Lebensader und Mythos zugleich. An seinen Ufern entstanden Tempel, Städte und Gräber, deren Bedeutung bis heute spürbar ist. Eine Nilkreuzfahrt zwischen Luxor und Assuan gilt als eine der eindrucksvollsten Reiserouten weltweit. Sanft gleitet das Schiff am grünen Ufer entlang, vorbei an Palmenhainen, Feldern und kleinen Dörfern. Fischer werfen ihre Netze aus, Bauern arbeiten mit Wasserbüffeln auf den Feldern, Kinder winken den Schiffen zu. Ein Bild des ländlichen Ägyptens, das sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat.

Luxor, das ehemalige Theben, ist Ausgangspunkt vieler Nilfahrten. Der Karnak-Tempel mit seiner gewaltigen Säulenhalle bildet den Auftakt einer beeindruckenden Zeitreise. Reliefs erzählen von Göttern, Kriegen, religiösen Zeremonien und dem Alltag der Pharaonen. Der Luxor-Tempel, verbunden durch die berühmte Sphinx-Allee, deren Restaurierung die historische Achse wieder sichtbar gemacht hat, ist das Wahrzeichen der Stadt und beeindruckt besonders am Abend mit seiner Beleuchtung.

Der Tempel Abu Simbel. © Shutterstock, NiarKrad

Gedenkstätten tief im Felsen

Auf der Westseite des Nils liegt das Tal der Könige, die letzte Ruhestätte grosser Herrscher wie Ramses II. und Tutanchamun. Der Besuch eines pharaonischen Grabes führt durch Gänge tief in den Felsen hinein, andere Räume öffnen sich zu Hallen mit leuchtenden Farbresten. Jede Grabstelle besitzt eine eigene Dramaturgie aus Architektur, Farbgestaltung und mythologischer Symbolik. In der Umgebung liegen weitere bedeutende Stätten: der Totentempel von Hatschepsut mit seiner Terrassenarchitektur, das «Ramesseum» und die Kolosse von Memnon, die einst den Eingang eines gewaltigen Tempels markierten. Anders als im Museum wirkt die Geschichte hier unmittelbar, eingebettet in Felsen und Wüste.

Klare Farbe, warmes Licht

Von Luxor fährt das Schiff flussaufwärts nach Edfu und Kom Ombo. Der Horus-Tempel von Edfu gehört zu den am besten erhaltenen Tempeln Ägyptens. In Kom Ombo steht ein Doppeltempel für Sobek und Haroeris. Reliefs zeigen medizinische Instrumente, Götter, Tiere und Rituale, Hinweise auf die hochentwickelte Kultur des alten Ägyptens. Assuan, weiter südlich, empfängt mit ruhiger Atmosphäre, klaren Farben und warmem Licht. Feluken treiben gemächlich über den Fluss, während Granitinseln und Sanddünen die Landschaft prägen. Die nubische Kultur ist hier spürbar: Leuchtende Farben, traditionelle Architektur, Musik und eine freundliche Offenheit prägen Dörfer und Märkte. Der Isis-Tempel von Philae liegt malerisch auf einer Insel und gehört zu den schönsten Tempelanlagen des Landes. Mit kleinen Booten fährt man hinüber, vorbei an Felsen und Palmen, bis die ersten Säulen aus dem Wasser ragen.

Eine Augenweide: Der Isis-Tempel von Philae. © Shutterstock, Bertrand Rieger

Wer Zeit mitbringt, macht eine Nasserseefahrt. Der gewaltige Stausee entstand durch den Bau des Assuan-Hochdamms und schuf zugleich neue Landschaften und Herausforderungen. Zahlreiche Tempel wären überschwemmt worden; einige, wie Abu Simbel, wurden in einer logistischen Meisterleistung versetzt. Heute liegen sie erhöht über dem See, mächtige Statuen blicken in die Ferne, und das Licht der aufgehenden Sonne taucht sie in warmes Gold. Eine Schifffahrt auf dem Nassersee führt vorbei an kleinen Inseln, Wüstenkanten und historischen Stätten, die abseits der grossen Reiserouten liegen.

Surreale Kalklandschaft

Reisende, die es weiter westlich zieht, treffen auf die Weisse Wüste. Kalksteinformationen, durch Wind und Zeit geprägt, ragen in unterschiedlichen Varianten aus dem sandigen Boden. Die Landschaft wirkt surreal, fast ausserirdisch. Ein Wüstencamp ermöglicht einfache, aber eindrucksvolle Übernachtungen. Sternenklarer Himmel, absolute Stille und das Gefühl unendlicher Weite schaffen Momente, die lange nachwirken.

Im Gegensatz dazu präsentiert sich die Oase Bahareya grün und fruchtbar, mit Dattelpalmen, Quellen und kleinen Feldern. Weitere Oasen wie Dakhla, Kharga, Farafra und Siwa bilden ein Netz fruchtbarer Punkte in der Sahara. Siwa ist besonders abgeschieden und für seine salzhaltigen Seen, alten Lehmbauten und die Orakelgeschichte Alexanders des Grossen bekannt.

Imposante Kalksteinformationen an der Weissen Küste. © Shutterstock

Ausspannen am Roten Meer

Nach Kairo, Nil und Wüste bieten die Küsten des Roten Meeres Erholung. Das Wasser präsentiert sich in klaren Blautönen, geschützt durch Korallenriffe, die sich über Hunderte Kilometer erstrecken. Die Unterwasserwelt gehört zu den artenreichsten weltweit. Schnorchler und Taucher beobachten bunte Fische, Korallen, Meeresschildkröten und gelegentlich Delfine oder Dugongs.

Hurghada, El Gouna und Marsa Alam bieten verschiedene Schwerpunkte: Resorts mit grossen Spa-Bereichen, ruhige Hotels mit Zugang zu Hausriffen oder Familienanlagen mit Sandstränden. Wer den Sinai bereist, erreicht Sharm El-Sheikh oder das ehemalige Fischerdorf Dahab. Letzteres ist bekannt für entspanntes Flair, kleine Cafés, Tauchschulen und eine weniger touristische Stimmung. Der Mosesberg und das Katharinenkloster verbinden Natur- und Religionsgeschichte.

Tauchen im Roten Meer. © Shutterstock

Eine Reise, die bleibt

Kulinarisch überrascht Ägypten mit regionaler Vielfalt. Mezze, Falafel, Bohnenpüree (Fuul), Grillgerichte, Fisch vom Roten Meer, Brot aus traditionellen Öfen und süsse Backwaren sind verbreitet und beliebt. Tee und Kaffee, häufig aromatisiert mit Minze oder Kardamom, werden mit Gastfreundschaft serviert.

Wer also durch Ägypten reist, erlebt Geschichte und Gegenwart gleichzeitig. Moderne Infrastruktur trifft auf traditionelle Dörfer, Luxushotels auf einfache Teehäuser, antike Monumente auf quirlige Märkte. Der Kontakt mit Menschen prägt die Eindrücke. Ägypten beeindruckt durch Kontrast und Kontinuität, durch Monumente und Menschen, durch Weite und Nähe. Wer hier reist, erlebt ein Land, das immer wieder überrascht, inspiriert und ganz sicher lange in Erinnerung bleibt.

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