Die urbanen Wohnzimmer
Überschaubar, gemütlich und doch unterhaltsam: Darum fühlt man sich in Sloweniens Städten sofort zu Hause.

Überschaubar, gemütlich und doch unterhaltsam: Darum fühlt man sich in Sloweniens Städten sofort zu Hause.

Alles ist mit wenigen Schritten erreichbar, alles wirkt vertraut und lädt zum Verweilen ein: Eigentlich erinnern Sloweniens Städte ein wenig an grosse Wohnzimmer, in denen sich Reisende entsprechend gut aufgehoben fühlen und zeitweise fast vergessen, dass sie nur Gäste sind. Grüne Parks, einladende Plätze, belebte Marktatmosphäre – es sind Orte, an denen man einfach gerne ankommt. Das heisst aber nicht, dass es in den Gassen an verblüffenden Begegnungen und überraschenden Einsichten fehlen würde …
So wie zu Hause Trouvaillen und Bilder die Regale und Wände schmücken mögen, zieren spannende Bauwerke viele slowenische Quartiere. Urbane Kreativität zeigt sich etwa in der Hauptstadt Ljubljana. Hier hat Jože Plečnik, der grösste slowenische Architekt und ein Gigant des europäischen Modernismus, überall seine Spuren hinterlassen: Das Križanke-Sommertheater, der Triglav-Versicherungspalast oder der Žale-Friedhof sind nur einige seiner nonkonformistischen Werke, mit denen er dem Stadtbild seinen visionären Stempel aufdrückte. Wer es bunter und zeitgemässer mag, macht sich dagegen auf die Suche nach Ljubljanas Streetart. Rund um das Kulturzentrum Metelkova, bei der ehemaligen Fabrik Rog oder aber beim zentralen Marktplatz lassen sich auf eigene Faust viele künstlerische Murals finden. Für einen noch tieferen Einblick können sich Interessierte aber auch einer geführten Alternativ-Radtour anschliessen.

Zum urbanen Wohnzimmer gehört auch ein passendes Sofa. Wer zwischendurch eine Pause braucht, findet in den slowenischen Städten immer einen grünen Park mit freien Sitzplätzen. Meist sprudelt in der Nähe gleich noch ein öffentlicher Trinkbrunnen mit hervorragender Wasserqualität zur sommerlichen Erfrischung. Und apropos Wasser und Naherholung in der Natur: Bis zum nächsten lauschigen Flussufer ist es ebenfalls nicht weit. Novo mesto im Südosten des Landes punktet zum Beispiel mit den grünen Hainen an den Mäandern der Krka. Auf einer kleinen Insel thront hier zudem Otočec, das einzige «Wasserschloss» Sloweniens. In einer 30 Meter tiefen Schlucht unterhalb der Kranjer Altstadt plätschert derweil die Kokra. Wenige Meter vom quirligen Stadtleben entfernt bietet dieser grüne Canyon jede Menge Naherholung. Zugänglich ist der Fluss über Treppen oder über die Kokrški-breg-Strasse, unten lädt ein Rundweg zum Flanieren ein.

Trotz aller Sehenswürdigkeiten in Laufdistanz: Etwas Wind in den Haaren kann beim Sightseeing nicht schaden. Also kommen gut erholte Wasserratten wieder in die Gänge. Die slowenischen Innenstädte lassen sich nämlich auch per Bike bestens erkunden. Fahrradleihsysteme gibt es vielerorts, so auch in Ljubljana. Auf gut gepflegten Radwegen geht es innerorts etwa zum Parkdamm Špica, dann über die Brücke des Gruberkanals Richtung botanischer Garten. Auch der Tivoli-Park mit seinen mächtigen Bäumen, grünen Rasenflächen und Skulpturen ist eine gute Adresse für VelofahrerInnen. Wer danach noch Kraft in den Waden hat, kann das Zentrum auch verlassen und einen Abstecher nach Krakovo unternehmen: Die Fahrt in den charmanten alten Vorort lohnt sich nur schon wegen der traditionellen Dorfhäuser und sorgfältig gepflegten Gärten.

In den eigenen vier Wänden sorgen Gäste und gutes Essen für Stimmung? Sloweniens Städte machen es nicht anders. Im Sommer und Herbst verwandeln sich die Strassen und Plätze vielerorts in Freiluftrestaurants, in denen Einheimische und Reisende gemeinsam tafeln. Dazu gesellen sich Kulinarik- Festivals, die mehr als einen Vorgeschmack auf die slowenische Gastro-Szene liefern. Gerade im September finden FeinschmeckerInnen und WeinkennerInnen reich gedeckte Tische und gut gefüllte Gläser vor. So wird in Maribor das «Fest der alten Rebe» zelebriert. Dabei wird einerseits tatsächlich der berühmte, 450 Jahre alte Rebstock der Stadt ins Rampenlicht gerückt. Andererseits sind am grössten Freiluft-Martinsfest des Landes aber auch die besten steirischen Winzer sowie lokale Spitzenköche präsent. Ebenfalls im September verwandelt sich die Hafenstadt Koper in ein Paradies für Naschkatzen. «Sladka Istra» – süsses Istrien – heisst das Food-Festival, das traditionelle Speisen ebenso feiert wie moderne Kreationen verschiedenster Konditormeister. Zufrieden lehnt man sich zurück und beobachtet die Gäste; schon ging wieder vergessen, dass man hier ja selbst nicht dauerhaft zu Hause ist.
