Wie Lieder der Lebensfreude
Inselhopping durch Thailand: Wo mit dem Rauschen der Wellen, dem Tirilieren der exotischen Vögel und dem summenden «Sabai sabai» die Melodie des Lebens anklingt.

Inselhopping durch Thailand: Wo mit dem Rauschen der Wellen, dem Tirilieren der exotischen Vögel und dem summenden «Sabai sabai» die Melodie des Lebens anklingt.

Wellen rauschen, wenn sie sich zum perlweissen Strand schieben und wieder zurückziehen. Dann vernimmt man das schon fast zärtliche «Zrzz-zrzz» der Zikaden vom Dschungel her, durchbrochen von einem «Krr-krr» – dem Ruf eines erotischen Vogels. Es gibt Melodien von Orten dieser Erde, die den eigenen Puls neu einstellen. Thailand ist so ein Ort, wo nicht hektischen Taktarten vibrieren, sondern sanfte, stetige Rhythmen der Gelassenheit. Der Sinn stellt sich sofort auf «Sabai sabai» ein: Der thailändische Ausdruck, der die stressfreie Lebenseinstellung widerspiegelt, bedeutet so viel wie «entspannt, locker», aber auch «ich fühle mich gut». Ja, im Land des Lächelns mit all seinen Inseln fällt es durchaus federleicht, sich wohlzufühlen – im Spätherbst und Sommer insbesondere im Golf von Thailand, etwa in Ko Samui.
Auf Ko Samui, die drittgrösste Insel Thailands, sind die Sandstrände wie goldene Teppiche, die sich sachte in das türkisblaue Meer ausrollen, und von hoch aufragenden Palmen beschattet sind. «Mhm» lautet die Melodie, wenn man sich hier zwischen Baden und Tauchgängen fangfrische Meeresspezialitäten gönnt, denn das 247 Quadratmeter grosse Eiland kann sich für seine lebendige Gastro-Szene rühmen. «Wumm-wumm» schallt es rund um den Chaweng Beach, der bekannt ist für sein pulsierendes Nachleben.
Leisere Töne schlagen hingegen die kleinen, versteckten Buchten an, insbesondere Norden wie beispielsweise am ruhigen Thongson Beach. Den Klang von leisem Knacken unter den Sohlen und Rascheln über dem Kopf vernehmen Entdeckernaturen im Inselinneren, wo sich Ko Samui als dichtes Labyrinth aus Regenwald mit vielfältiger tropischer Fauna offenbart. Buchstäblich berauschend ist es, wenn Wandernde auf einen der spektakulären Wasserfälle treffen, von denen viele zum erfrischenden Bad einladen. Und dann ist da noch der Einklang zwischen Tradition und Moderne, den Besuchende in kleinen, aber detailreichen Tempelanlagen oder in den ursprünglichen Fischerdörfern erleben.

Ko Samui ist nicht nur wie ein Loblied auf Küsten und Kultur, sondern auch ein Fest für die Augen, denn die Insel ist ein wahres Paradies für Taucher. Unter der Wasseroberfläche dämpft sich das Summen und Brummen, dafür stellt sich der Sehsinn scharf: Schwerelos gleitet man zwischen kostbaren Korallenriffen, bunten Fischschwärmen und begegnet mit etwas Glück sogar majestätischen Walhaien. Ob Anfänger oder Profi – rund ein Dutzend Tauchbasen bieten alles, was das Taucherherz begehrt.Begegnungen mit tierischen Bewohnern, sowohl zu Land und zu Wasser, sind im «Ang Thong Marine National Park» noch wahrscheinlicher.
Nur zirka 35 Kilometer westlich von Ko Samui entfernt und deshalb für einen Tagesausflug leicht zu erreichen, liegt dieser Archipel aus 42 Inseln. Gigantische Kalksteinfelsen ragen stumm aus dem saphirblauen Meer, überwuchert von unberührtem Regenwald. Erkunden lässt sich der 1980 gegründete Nationalpark bei geführten Wanderungen, beim Schnorcheln oder mit dem Kajak entlang den Mangrovenwäldern. Und plötzlich dominiert nicht mehr ein Zirpen, von einem Gurren und Grunzen: Das üppige Grün ist die Heimat von Langschwanz-Makaken, Wildschweinen und anderen Tieren.
Während das Brüllen der Affen noch im Ohr nachklingt, geht es mit einem «Rrrrrmmm» weiter, wenn die Fähre von Ko Samui entfernt und die Nachbarinsel Ko Phangan ansteuert. Wer in einer Vollmondnacht ankommt, wundert sich im ersten Moment vielleicht über die akustische Untermalung – und stimmt dann mit ein in die Jubelrufe: Die Partys, auf denen Gäste vergnügt am Strand feiern, sind legendär. Wer den Bässen und Beats dennoch (vielleicht eher später als früher) überdrüssig wird, findet vorwiegend Norden und Nordosten authentische Auszeiten an einsamen Stränden wie beispielsweise in den Zwillingsbuchten. Wie geschwungenen Silberbänder schmiegen sich «Hat Thong Nai Pan Noi» und «Hat Thong Nai Pan Yai» an die dramatische Regenwaldkulisse, die zahlreiche exotische Tiere beheimatet. Den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen? Hier müsste es eher heissen: Den Dschungel vor lauter Affen, Vögel und Schmetterlingen nicht mehr sehen.

Schmetterlinge fühlen Inselhopper auch im Bauch, wenn sie sich mit der Fähre weiterschippern nach rund einer Stunde der «Insel der Schildkröten» nähern: Nur 21 Quadratkilometer klein, klein, ist Ko Tao bei Backpackern beliebt, nicht zuletzt wegen dem im Vergleich zu Ko Samui jüngeren, ruhigen Flair. Ruhig, nahezu lautlos, bewegen sich auch die Schildkröten, welche die Insel einst besiedelten und ihr den Namen gaben – «Tao» bedeutet auf thailändisch schlicht «Schildkröte». Mehr noch: Von oben betrachtet, sieht die Silhouette der Insel gar aus wie eine Schildkröte, die im kristallklaren Wasser schwadert. Heute sind die gepanzerten Gesellen seltener geworden, jedoch engagieren sich verschiedene Organisationen für deren Wiederansiedlung. Hie und da trifft man die gemütlichen Tiere, vornehmlich beim Schnorcheln und Tauchen. An zig Tauchspots können Unterwasserfans zu den kunterbunten Korallengarten herabschweben.
Wieder festeren Boden unter den Füssen, spaziert man entlang von malerischen, felsigen Buchten wie zum Beispiel Sairee, der längste Strand an der Ostküste oder Hat Chalok Ban Koa und Hat Sai Daeng im Süden. Wer Lust auf Aus- statt Weitblick bekommt, spurt auf den schmalen Pfad zwischen der Shark Bay und Chalok Ban Kao ein, der sich steil in felsige Höhen schlängelt. Mit jedem Meter wirken die grünen Hügel kleiner und die bräunlichen Schildkröten klitzeklein: Oben auf dem Aussichtspunkt John Suwan, benannt nach seinen beiden Entdeckern Mister John und Mister Suwan, ploppt pure Freude über das Panorama auf: wahrlich der Inbegriff von «Paradies». Wer sich in dieser windfrischen Wolkennähe wohlfühlt, kann dieser Wonne an weiteren Aussichtspunkten nachgehen, sei dies auf dem «Mango Viewpoint» in der nördlichen Inselmitte oder aber auf dem «Deisha Viewpoint» im Süden, wo das Auge an klaren Tagen bis nach Ko Phangan schweift.
Es gibt wenige gute Gründe, diesen betörenden Blick abzuwenden – einer ist aber gewiss, wenn einem auf der Terrasse die freundliche Bedienung ein typisch thailändisches Gericht serviert, das man schmatzend verschmaust. (Insel-)Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.
Mit vollem Bauch und wehmütigem «Hach …» reist man nach Khanom, zurück auf das thailändische Festland – im Wissen, dass sich Ko Samui ziemlich genau gegenüber befindet. Die Flipflops mögen dieselben sein, doch die Flaniermeilen sind nun andere: Hier, zwischen Surat Thani und Nakhon Si Thammarat, erstrecken sich nimmer enden wollenden Strände zwischen Kalksteinhügeln. Einen Kontrast zum glatten Horizont des Meeresbildet die Kulisse der «Nakhon-Si-Thammarat Range» mit bewaldeten Hügeln. Wasserfälle, die sich wie silberne Fäden die Felsen hinabstürzen, Tropfsteinhöhlen und Mangrovenwälder lassen sich erkunden. Auch das malerische Bergdorf inmitten von Berglandschaften und Flüssen, zieht einige Besuchende an, weil die Einheimischen hier weitgehend autark leben.

Der beschauliche Bade- und Küstenort Khanom ist kaum touristisch erschlossen, sodass dieser eine authentische Fischerdorf-Atmosphäre versprüht. Beinahe «surreal» scheint es, wenn man einen blassrosaroten Delfin (Indo-Pacific Humpback Dolphins) in freier Wildbahn erspäht: Mit etwas Glück kann man sich auf Bootstouren selbst ein Bild davon machen, wie «pastellen» die seltenen Tiere tatsächlich schimmern. Nicht nur die magischen Meeresbewohner, die Wahrzeichen der Region, machen die «rosa Brille» überflüssig – die unberührte Natur lässt Wangen vor Freude sanft erröten.
Wie einem roten (oder rosaroten?) Faden kann man schnurstracks der Küstenstrasse über rund 530 Kilometer folgen – bis nach Hua Hin. Von Bangkok her dauert die Reise nur zur Sonnenausgangsseite des Golfs von Thailand nur etwa drei Bussstunden. Hua Hin ist als altehrwürdiger Badeort der Könige noch immer eng verbunden mit dem thailändischen Königshaus. Es ist kein Grossstadtgetön, das hier den Takt vorgibt. Vielmehr das stetige «Schwipp-schwapp» der Wogen – sowohl am Strand wie am Beckenrand, wenn fröhliche Kinder mit einem Platsch hineinspringen. Infinity-Pools gibt es hier zahlreiche, den viele (familienfreundliche) Resorts prägen den ruhigen Seebäder-Charakter. Nichts zu murren haben Sprösslinge und Erwachsene auch in Cha-Am, das sich 25 Kilometer nördlich von Hua Hin befindet und sich zum Strandidyll für Familien entwickelt hat.
Wenn beim Blick in die Weite die Sehnsucht nach Inselhüpfen, ohne Cocktail mit Schirmchen, erneut anklopft, kann man sich auf Ko Chang beigegeben, das quasi gegenüberliegt von Hua Hin. Koh Chang ist das grösste Eiland des gleichnamigen Archipels, zu dem insgesamt 52 Inseln gehören. Die meisten davon sind unbewohnt oder verfügen nur über ein, zwei Resorts. Ko Chang trägt den Beinamen «Elefanteninsel», weil sie von der Küste von Trat aus in der Vogelperspektive dem Kopf eines Dickhäuters ähnelt. Es fiept, piept und tschilpt im Dschungel des «Muh Ko Chang Marine»-Nationalparks, der auf über 650 Quadratkilometern unzählige Tierarten, wie zum Beispiel Affen und über 60 verschiedene Vogelarten beherbergt.
Schliesslich verschwinden Strände allmählich im Wiegenlied der Dämmerung, das Plätschern der Wasserfälle wird leiser, doch – längst zu Hause – halt eines säuselnd und summend nach: Sabai sabai …
