Südtirol ist das Land der drei Kulturen. Entsprechend vielfältig gestalten sich auch seine Weihnachtsbräuche und Traditionen.

Südtirol ist geprägt von seiner langen Geschichte mit drei verschiedenen Sprachen und Kulturen – Deutsch, Italienisch und Ladinisch. Die Jahrhunderte der Verbundenheit mit der Monarchie Österreich-Ungarn hinterliess bis heute Spuren aus dem Mitteleuropäischen Kulturkreis. Seit genau 100 Jahren gehört Südtirol zu Italien – es gab Zuwanderer aus allen Regionen Italiens, die ihre eigenen Traditionen und Kultur beibehalten haben. Seit den Römerzeiten pflegen Ladiner ihre eigene Sprache und Kultur mit Einflüssen aus der Habsburgerzeit ebenso wie durch die Moderne. Entstanden ist ein faszinierender Schmelztiegel: das multikulturelle Südtirol von heute.

Krampus oder Nikolaus – gemäss der deutschen und ladinischen Tradition geht es bei beiden Bräuchen um die Kinder. Am 5 Dezember sollen sich böse Kinder fürchten, wenn sie nicht brav und folgsam waren. Sie kriegen am Krampus-Tag eine kleine Rute, die mit roten und schwarzen Schleifen verziert ist sowie Lebkuchen mit einem draufgeklebten Krampus. Im Südtirol finden normalerweise bereits ab Anfang oder Mitte November Krampusumzüge statt. In diesem speziellen Coronajahr müssen sie leider ausfallen. Handwerksberufe wie Maskenschnitzer im Ahrntal, Welschnofen und Tramin ranken sich genauso um den Krampus wie verschiedene Krampusgruppen, von denen der Klosn in Stilfs aber auch die Krampus-Umzüge in Sterzing, Bruneck und Toblach zu den bekanntesten gehören.

IDM Südtirol/Frieder Blickle
© IDM Südtirol/Frieder Blickle

Kinder, welche brav und folgsam waren, freuen sich auf den Nikolaus-Tag am 6. Dezember. In der deutschen und ladinischen Kultur werden sie mit Süssigkeiten, Lebkuchen mit aufgeklebtem Nikolaus sowie mit Mandeln, Nüssen und Datteln belohnt. Auch kleine Geschenke erhalten sie. Am Vortag wird dafür ein Teller vor die Tür gestellt, damit der Nikolaus seine Gaben rein geben kann. Als kleinen Dank stellt man ihm auch ein Gläschen Schnaps hin.

Unbefleckte Empfängnis – dieser Feiertag wird am 8. Dezember in ganz Italien begangen. In der deutschen und ladinischen Kultur sollten bis Maria Empfängis die Weihnachtskekse fertig gebacken sein, damit sie bis Weihnachten noch besser reifen. Das gilt hauptsächlich für Zelten Stollen und Lebkuchen aber auch für Kekse mit Mandeln.

Traditioneller Zelten, ein Früchtebrot
© IDM Südtirol/Marion Lafogler

An Immacolata Concezione, wie der Feiertag auf Italienisch heisst, stellen die Italiener ihre Christbäume auf und schmücken diese meist recht bunt. Auch Balkone und Häuser werden nun mit mehr oder weniger farbigen Lichterketten geschmückt.

Santa Lucia am 13. Dezember – die Märtyrerin und Schutzpatronin der Blinden stammte ursprünglich aus Siracusa auf Sizilien. Sie gilt als italienisches Pendant zum heiligen Nikolaus und legt Süssigkeiten und Früchte in die Teller, welche am Vorabend vor die Tür gestellt wurden.

Brief ans Christkindl – bis zum 14. Dezember sollten die Kinder ihr Brieflein ans Christkindl schreiben und es anschliessend an ein Fenster oder die Balkontür kleben. So können die Engelein den Wunschzettel noch rechtzeitig in den Himmel bringen.

Lokales Kunsthandwerk und traditioneller Christbaumschmuck aus Holz begeistern Eltern wie Kinder am Bozner Christkindlmarkt.
© IDM Südtirol/Alex Filz

Weihnachten und Vigilia di Natale – am frühen Abend des 24. Dezembers bringt das deutsche und ladinische Christkind den Weihnachtsbaum und die Geschenke. Je nach Familientradition gibt es vor oder nach der Bescherung ein relativ einfaches Essen. Früher war das eine warme Suppe, endlich etwas Fleisch und Kekse oder Zelten. Heute geniessen zahlreiche Familien «russischen Salat» als besondere Delikatesse.

Zu Vigilia di Natale erhalten die Kinder in den Familien italienischer Kultur noch keine Geschenke. Man nimmt ein einfaches, fleischloses Essen zu sich – meist eine leichte Suppe mit «tortelli di magro» ganz ohne Fleisch.

Früher fanden Weihnachtsmette und Turmblasen in der deutschen und ladinischen Kultur erst um Mitternacht statt – heute gehen die Familien schon etwas früher am Abend zur Christmette um Christi Geburt zu feiern. Am Ende der Messe spielen einige Bläser weihnachtliche Weisen von den Kirchtürmen.

Festa die Natale – am 25. Dezember hat Babbo Natale, der italienische Weihnachtsmann, über Nacht die Geschenke gebracht und sie unter den Christbaum gelegt. Ein üppiges Festessen mit Lasagne, Tortellini, verschiedenen Fleisch- oder Fischgerichten und am Ende mit dem traditionellen «Panettone» oder «Pandoro» krönt den Weihnachtstag.

 

IDM Südtirol – Alto Adige

suedtirol.info/de

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