Solothurn macht ihrem Image als «schönste Barockstadt der Schweiz» alle Ehre. Die Solothurner Barocktage finden vom 14. bis 22. August zum ersten Mal statt – mit einem reichhaltigen Programm, das von Führungen durch Kulturdenkmäler bis zu Barockmusik und barocken kulinarischen Genüssen so einiges zu bieten hat. Die Veranstaltungen werden unter den geltenden Corona-Vorschriften durchgeführt.

Solothurn nennt sich zu Recht «die schönste Barockstadt der Schweiz». Von 1530 bis 1792 residierten hier die Ambassadoren der französischen Könige, was die Architektur der Stadt stark prägte. Prunkvolle Barockbauten wie Kirchen, Klöster und Schlösser geben der Stadt ihr besonderes Gesicht. Von besonderer Bedeutung sind etwa die Jesuitenkirche, deren Fassade König Ludwig XIV. persönlich gestiftet hat, das Palais Besenval, Sitz einer einflussreichen Patrizierfamilie, und das Stadttheater mit seinen barocken Malereien. Auch das Museum Altes Zeughaus und der Ambassadorenhof stammen aus dieser Epoche, ebenso wie die Einsiedelei in der Verenaschlucht mit ihren drei barocken Kapellen.

Jesuitenkirche_©Solothurn Tourismus_Tino Zurbrügg
Jesuitenkirche_©Solothurn Tourismus_Tino Zurbrügg

Was ist eigentlich «barock»?

Der Stil des Barock entwickelte sich Ende des 16. Jahrhunderts in Italien. Der Begriff stammt aus dem Portugiesischen «barocco», was «seltsam unregelmässig geformte Perle» bedeutet. Kritiker nannten ihn abwertend «barock», weil er die ausgewogenen Regeln der antiken Architektur missachtete. Der prunkvolle Stil mit seiner Fülle an plastischen und malerischen Schmuckelementen schwappte von Italien nach Frankreich und von dort in die Schweiz, bis nach Solothurn. Dieses Überschwängliche prägte auch die Menschen, die zu dieser Zeit lebten. Im Wissen um ihre Vergänglichkeit im Diesseits hofften sie auf ein himmlisches Jenseits. Dies zeigt sich im Lebensgefühl der Menschen, das durch drei Motive geprägt ist: Der Vergänglichkeit (memento mori) und Nichtigkeit (vanitas) des Lebens steht die Freude des Lebens (carpe diem) gegenüber.

Barocke Lebensfreude – ansteckend bis heute

«Barock» war eben nicht nur die Architektur, sondern waren auch alle anderen Lebensbereiche wie Mode, Kunst, Essen, Trinken, Spielen und ausschweifende gesellschaftliche Anlässe. Dies äusserte sich in besonders lebensfrohen Traditionen: Wurde beispielsweise in Frankreich ein Dauphin (Thronerbe des französischen Königs) geboren, feierte dies auch Solothurn, indem der Ambassador Wein spendete, der aus den Solothurner Brunnen floss. Diese Festlaune und Lebensfreude wirken bis heute ansteckend. Auch die Besucher*innen ergreift dieses besondere Gefühl, sei es beim Bummel durch die Altstadt mit ihren vielfältigen Sehenswürdigkeiten, den Strassencafés und Einkaufsmöglichkeiten oder beim Verweilen am Aareufer.

Ambassador_Fuehrung_Solothurn_©Solothurn Tourismus_Henry Oehrli
Ambassador_Fuehrung_Solothurn_©Solothurn Tourismus_Henry Oehrli

Attraktives Programm – ein Ausblick

Auf dem reichhaltigen Programm vom 14. bis 22. August stehen von früh bis spät zahlreiche Führungen durch barocke Baudenkmäler, Orgelkonzerte in der Jesuitenkirche und in der St. Ursen-Kathedrale sowie Barockkonzerte im Stadttheater, unter anderem mit der «Capella Cracoviensis». Ausserdem laden die Barockoper «L’incoronazione di Poppea» von Claudio Monteverdi im Schloss Waldegg, die Tanzvorführungen von «Les Soirées amusantes» und  Vorführungen im barocken Fechten zum Entdecken und Geniessen ein. Des Weiteren kommen die Besucher*innen in den Genuss von «Tarock»-Spielabenden (barockes Kartenspiel), eines barocken Nachtessens im Museum Blumenstein und verschiedenen szenischen Führungen, um nur einige Höhepunkte zu nennen. Im Schloss Jegenstorf findet zudem die Jubiläumsausstellung «300 Jahre Barockschloss» statt, während das Schloss Thunstetten ebenfalls Barockführungen anbietet. Weitere Informationen finden sich hier.

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